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Innovative Konzepte und Szenarien aus dem Lehrlabor

Große Vorlesungen interaktiv gestalten mit Clickern

Um die Studierenden zu aktivieren und die Vorlesung an ihrem Lernerfolg auszurichten, wird ein Classroom-Response-System (CRS) verwendet. Ein CRS stellt eine Plattform zur Verfügung, über die Lehrende mit geringem Mehraufwand zwischendurch Fragen stellen können, die von den Teilnehmenden live beantwortet werden. Nach einer vorab festgelegten Zeit endet die Befragung, das Ergebnis wird für alle sichtbar und als Balkendiagramm dargestellt. Anschließend kann über die Antworten diskutiert werden.

Metadaten

  • Lehrende: Frank Heitmann, Michael Köhler-Bußmeier
  • CC-Lizenz: CC-BY (Bearbeitung erlaubt unter Namensnennung)
  • Zitiervorschlag:
    Frank Heitmann/Michael Köhler-Bußmeier (2020): Große Vorlesungen interaktiv gestalten mit Clickern. Hamburg: StoryPool. URL:

Maßnahme

Um sowohl die Studierenden zu aktivieren und so deren Lernprozess zu verbessern, als auch als Rückkoppelungsmöglichkeit für den Vortragenden, erweisen sich sogenannte Classroom-Response-Systeme (CRS) als hilfreich. Ein CRS stellt eine Plattform zur Verfügung, über die der/die Lehrende Fragen stellt, die von den Teilnehmenden beantwortet werden können.
Hier wurde ein hardwarebasiertes CRS verwendet: Der/die Vortragende verfügt über eine Basisstation, die Teilnehmer*innen haben sogenannte Clicker. Die Basisstation ist eine Empfangsstation, die mit dem Laptop der Lehrenden verbunden ist. Die Clicker sind kleine Geräte von der Größe eines Handys. Bei Betätigung eines Knopfs auf dem Clicker empfängt die Basisstation das Signal. Die bzw. der Vortragende kann nun eine Multiple-Choice-Frage stellen und dann den Empfang der Basisstation aktivieren. Die Teilnehmer*innen haben daraufhin für einen bestimmten Zeitraum die Möglichkeit, die Frage zu beantworten. Nachdem die Zeit verstrichen ist, erhält die bzw. der Vortragende auf seinem Laptop eine Ansicht, die darstellt, wie oft die einzelnen Antworten gewählt wurden. Das Verfahren ähnelt also dem der Publikumsfragen bei der Spielshow „Wer wird Millionär?“.
Multiple-Choice-Fragen können direkt in den Foliensatz eingebaut und z.B. in Blöcken organisiert werden. Je nachdem, wie die Antworten ausgefallen sind, wird anschließend noch über die richtige Antwort und insbesondere über die falschen Antworten diskutiert.

Inzwischen sind auch CRS etabliert, die ohne zusätzliche Hardware auskommen: PINGO von der Universität Paderborn kann über eine Web-Schnittstelle benutzt werden, die Antworten werden also mittels Handy oder Tablet der Studierenden erfasst. Wir entschieden uns für den Einsatz von iCue, da der Einsatz von Basisstation und Clickern sehr direkt ist und wir beim Einsatz eines CRS über eine Web-Schnittstelle mehr Zeit zum Testen benötigt hätten, um beispielsweise sicher zu stellen, dass das WLAN im Hörsaal den Anforderungen genügt und dass die Fragen auf verschiedenen Endgeräten korrekt angezeigt werden.

Verbindung zum klassischen Lehrformat:

  • Vorlesung
  • Seminar
  • Übung
  • Projekt
  • Praktikum
  • Prüfung
  • Selbststudium
  • Vorkurs
  • Sonstiges

Mit dieser Maßnahme werden primär gefördert:

  • Rezeptive Aktivitäten (Lesen, Anschauen, Zuhören)
  • Übende Aktivitäten (Ausprobieren, Routinebildung etc.)
  • Produktive Aktivitäten (Schaffung eigener Inhalte)
  • Organisatorische Aktivitäten (Koordination, Vernetzung etc.)

Rolle von digitalen Medien:

  • Keine nennenswerte Rolle (bspw. primär Präsenzlehre)
  • Eine gewisse bzw. mäßige Rolle (bspw. hybrides Lehrformat)
  • Eine zentrale Rolle (bspw. Online-Lehre)

Beziehung zur Forschung:

  • Forschung fließt als Inhalt ein (Studierende können sich zu Ergebnissen und/oder Prozessen des Forschens kundig machen)
  • Forschung ist das Ziel der Lehrmaßnahme (Studierende üben das Hand- und Denkwerkzeug für eigene Forschungsaktivitäten ein)
  • Forschung ist der Modus der Lehrmaßnahme (Studierende werden selbst forschend tätig)
  • Die Lehrmaßnahme dient dazu, die Voraussetzung für forschungsnahes Lernen zu schaffen.
  • Sonstige
  • Keine

Verortung im didaktischen Dreieck:

  • Inhalte für die Studierenden auswählen, anordnen, darstellen, erklären, (digital) aufbereiten, interaktiv machen etc.
  • Studierende methodisch darin unterstützen, sich Inhalte (allein oder in der Gruppe) anzueignen, zu verstehen, anzuwenden, weiterzuentwickeln, selbst zu generieren etc.
  • Als Lehrende*r mit den Studierenden in Kontakt kommen und in Interaktion treten (Feedback, Kommunikation etc.)
  • Die Lehrorganisation verändern, die für die Beziehung zwischen Inhalten, Studierenden und mir als Lehrende*r von Bedeutung ist

Grund

In den meisten Bachelor-Studiengängen existieren einführende Grundlagenveranstaltungen, die von sehr vielen Studierenden besucht und als klassische Frontalvorlesung gehalten werden. Bei Teilnehmendenzahlen im drei- oder gar vierstelligen Bereich bleibt den Studierenden aber oft nur die Rolle der passiven Zuhörerinnen und Zuhörer, was für den Lernerfolg nicht optimal ist. Vielmehr ist eine aktive Auseinandersetzung mit dem Vorlesungsstoff wichtig. Ein weiteres Problem bei großen Veranstaltungen ist, dass für die bzw. den Vortragenden oft schwer einzuschätzen ist, wie viel vom bisher Vorgetragenen bei den Studierenden angekommen ist. Bei kleineren Kontrollfragen melden sich meist nur einige wenige der Anwesenden und oft nur gerade jene, welche die Lösung wissen.

Grund für die Entwicklung:

  • Akutes Defizit bzw. akuter Konflikt
  • Bestehendes bzw. strukturelles Problem
  • Vorweggenommene Herausforderung
  • Persönliches professionelles Anliegen
  • Impuls aus meinem Umfeld
  • Sonstiges

Kontext

Der Einsatz des CRS iCueder Firma H-ITT erfolgt in der Vorlesung Formale Grundlagen der Informatik 1 (FGI-1). Das Modul FGI-1 behandelt die theoretischen Grundlagen der Informatik und ist damit Basis für die meisten fortführenden Veranstaltungen. Es ist in den meisten Informatik-Studiengängen der Universität Hamburg verpflichtend und wird üblicherweise von circa 300 bis 400 Studierenden besucht. Das Modul ist damit ein typischer Vertreter der eingangs erwähnten Grundlagenveranstaltungen, die als klassische Frontalvorlesung gehalten werden.

Diese Maßnahme wurde mit Mitteln des BMBF unter dem Förderkennzeichen 01PL17033 im Rahmen des Lehrlabors (Universitätskolleg, Universität Hamburg) entwickelt.

Projekttitel: "Einsatz eines Classroom-Response Systems zur Aktivierung der Studenten in großen Hörsälen"
Förderzeitraum: 01.04.2014 - 30.09.2014

Meine Maßnahme ist entstanden und hat sich bewährt an einer:

  • Universität
  • Fachhochschule
  • Dualen Hochschule
  • Pädagogischen Hochschule
  • Sonstiges

Meine Maßnahme ist in folgender Disziplin (oder mehreren) zu verorten:

  • Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften
  • Ingenieurwissenschaften
  • Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
  • Geisteswissenschaften
  • Lehrerbildung
  • Rechtswissenschaften
  • Kunst, Design-Wissenschaften
  • Medizin (inkl. Gesundheitswissenschaften)
  • Interdisziplinäre Bereiche
  • Sonstiges

Primäre Zielgruppe meiner Maßnahme:

  • Studieninteressierte
  • Studienanfänger*innen
  • Fortgeschrittene Studierende im Bachelor (oder 1. Studienabschnitt)
  • Studierende am Ende des Bachelorstudiums (oder 1. Studienabschnitts)
  • Studierende im Masterstudium (oder 2. Studienabschnitt)
  • Doktoranden oder Postdocs

Kräfte

Drei Aspekte erscheinen bei der Verwendung eines CRS als problematisch oder nachteilig:
- die Einarbeitungszeit in das CRS und Installation,
- der Entwurf der Fragen sowie,
- der Zeitverlust in der Vorlesung durch die Nutzung des CRS.
Eine Herausforderung für die Zukunft besteht noch in der Ausarbeitung eines umfangreicheren Katalogs an guten Fragen und Antworten.

Widersprüchliche Anforderungen, die bei der Maßnahme eine Rolle spielen:

  • Selbst- und Fremdorganisation
  • Lernen durch Zuhören/Lesen/Zusehen und Lernen durch eigenes Tun
  • Analoge und digitale Erfahrungswelten
  • Individuelles und soziales Lernen
  • Fachliche und überfachliche Kompetenzentwicklung
  • Exemplarische und vollständige Lerninhalte
  • Fachsystematische und lernsystematische Vorgehensweisen
  • Sonstige
  • Keine

Wirkungen

- Die Vorteile eines CRS liegen in der Anonymität der Befragten, in der schnellen, exakten Auswertung und in der für alle sichtbaren Darstellung der Ergebnisse.
- Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gestaltet sich die Benutzung meist problemlos.
- Es ist erkennbar, dass die Fragen zu bereits behandeltem Vorlesungsstoff und die Beschäftigung mit ihnen erheblich zum Lernerfolg beitragen.
- Die zusätzliche Arbeitsbelastung ist gering und das Ziel, die Studierenden zu aktivieren und mit ihnen in eine Diskussion über richtige und falsche Antworten einzusteigen, wird erreicht.
- Die sofortige Rückkoppelung bei der Steuerung der Vorlesung aus Sicht der Dozierenden ist sehr hilfreich. So kann der Vorlesungsstoff, falls nötig, wiederholt oder Sonderfälle diskutiert werden.

Weiterführende Informationen

Literatur

Kundisch D./ Magenheim, J./Beutner, M./Herrmann, P./Reinhardt, W./Zokye, A. (2013): Classroom Response Systems. Informatik Spektrum 36(4).

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